Eigentlich will ich schon seit ein paar Wochen einen Artikel dazu schreiben, dass die Bauzinsen schon deutlich früher angestiegen sind, als der von der EZB (Europäische Zentralbank) vorgegebene Leitzins. In diesem Artikel wollte ich auch darauf hinweisen, dass die Zinssätze für Immobilienkredite deutlich stärker gestiegen sind, als der Leitzins.

Ich wollte mich beschweren, dass die Banken ihr Margen zu Lasten der Kundschaft vervielfacht haben und nebenbei die Konjunktur abwürgen, nur um mit großen Gewinnen (auf dem Rücken von Sparern und Hauskäufern) die letzten schwachen Jahre innerhalb kürzester Zeit zu kompensieren. 

Dann jedoch las ich, dass die Vonovia umfinanziert. (Quelle Thomas Daily). Die Summe, die refinanziert wird, beträgt 1.500.000.000,00 Euro – Ohne Bankkredite!

Das klang interessant. Aber dann stellte sich beim Weiterlesen heraus, dass diese Darlehen doch recht teuer sind. Aber lesen Sie selbst:

1,5 Milliarden Euro – Das sind weder Peanuts, noch ein Kleinkredit.  Vonovia hat deshalb zwei  taxonomiekonforme Anleihen über jeweils 750 Mio. Euro platziert, um damit alte Schuldverschreibungen, die 2023 und 2024 auslaufen, zu refinanzieren.

Für die eine Anleihe mit 4,5 Jahren Laufzeit beträgt der Kupon 4,75 %, für die andere mit acht Jahren 5,0 %.

Die Zinssätze der in Euro begebenen Vonovia-Anleihen, die nächstes und übernächstes Jahr fällig werden, bewegen sich dagegen nur zwischen 0 und 2,25 %.

Wie sehr sich die Finanzierungsbedingungen gerade in den letzten Monaten gewandelt haben, zeigt auch, dass Vonovia im März noch 2,5 Mrd. Euro für knapp 1,9 % Zinsen bei Laufzeiten von 3,85 bis 10 Jahren aufnehmen konnte.

Für den Wohnungskonzern steht nun aber im Vordergrund, Risiken abzubauen, indem alle bis Ende 2024 fälligen Finanzierungen abgelöst werden, so zu lesen bei Thomas Daily. Zusätzlich zur Refinanzierung durch die jetzige Emission sollen hierfür 500 Mio. Euro an Barmitteln verwendet werden. Außerdem ist nach wie vor geplant, durch Immobilienverkäufe Schulden abzubauen

NICHT NUR ZWISCHEN DEN ZEILEN – DAS KLINGT NICHT GUT!

500 Mio sollen als Barmittel, also quasi Liquiditätsreserve fungieren? Man will trotzdem gleichzeitig zusätzlich Immobilien verkaufen, um Schuldenabzubauen und oder zu weiterer Liquidität zu kommen?

In welchem Tempo wird hier planmäßig Vermögen vernichtet, fragt sich der mittelständische Unternehmer.

Vielleicht wären andere Schritte, nämlich das kritische Hinterfragen der IST-Situation im Unternehmen, in allen Bereichen, inklusive Vorstandsgehältern, Dienstwagen und Spesenabrechnungen sinnvoll?

Für mich klingt das vor allem danach, dass jemand einen dringend nötigen, rigiden Sparkurs aufschiebt, statt Fehlplanungen und –entscheidungen zu korrigieren um sich in seiner Komfortzone weiter wohl zu fühlen.

Ich mag mich irren, dann bitte ich um Verzeihung! Ich habe weder die Bilanz der Vonovia gelesen, noch andere Veröffentlichungen, sondern kommentiere nur diesen Artikel, weil ich fünf Prozent im heutigen Marktumfeld immer noch als hoch empfinde.

Wie kommt es, dass die Vonovia so viel Kredit nimmt, um Barmittel zu haben? Und warum zahlt man fünf Prozent Zinsen, um in Zeiten einer 10 prozentigen Geldentwertung, Barmittel zu haben, wenn man eher Immobilien verkaufen, als zukaufen will?

Das klingt nach kontinuierlichem Barmittelabfluss, wenn zudem noch Immobilienvermögen, in einem denkbar ungünstigen Marktumfeld abgestoßen werden soll. Wer so viel Liquiditätsreserve schafft, versucht eher Notverkäufe und Panik zu vermeiden und die Situation zu stabilisieren, ohne Assets unter Wert verkaufen zu müssen.

ZURÜCK ZU DEN ZINSSÄTZEN – DENN DARUM GEHT ES EIGENTLICH

Sie lesen diesen Artikel gewiss wegen der Zinsen und nicht der finanziellen Situation der Vonovia. Ich nahm (zugegebenermaßen) aber die Vonovia-Meldung zum Anlass, mich bei zwei regionalen Banken in Braunschweig nach den gegenwärtigen Zinsen im erstrangingen Bereich zu erkundigen.

IM FÜNFJAHRESBEREICH LIEGEN DIE IMMOBILIENFINANZIERUNGEN BEI CA. 3,95% – IM ZEHNJAHRESBEREICH BEI CA. 4,3%

Warum gibt die Vonovia mehr aus, wenn sie bei den Banken das Geld (selbst bei deutlich kleineren Abschnitten) deutlich billiger bekommen könnte und belastet sich noch mit dem Aufwand, der mit diesen taxonomiekonformen Anleihen verbunden ist?

 

Meine liebe Kollegin Viola würde sagen „Man weiß es nicht“

Das lasse ich mal so stehen.

2022-11-16 Jo. Wolter Immobilien GmbH, M. Wolter

Bild von Nattanan Kanchanaprat auf Pixabay