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WARUM DIESE REFORM MIETER, RENTNER UND KLEINE HAUSGEMEINSCHAFTEN TREFFEN WÜRDE

Die Diskussion um die geplante Abschaffung der Sozialversicherungsfreiheit für Minijobs sorgt derzeit bundesweit für Verunsicherung. Noch ist nichts beschlossen. Dennoch zeigt die Debatte bereits, welche weitreichenden Folgen eine solche Reform haben könnte.

Aus Sicht von Jo. Wolter Immobilien würde eine Abschaffung der heutigen Minijob-Regelung vor allem diejenigen treffen, die ohnehin nur über geringe finanzielle Spielräume verfügen.

VIELE HAUSMEISTER SIND RENTNER

In zahlreichen Wohnanlagen übernehmen heute Rentner auf Minijobbasis einfache, aber wichtige Aufgaben. Sie stellen die Mülltonnen heraus, reinigen Gemeinschaftsflächen, pflegen Grünanlagen oder kümmern sich um kleine Reparaturen. Häufig wohnen sie selbst in der Wohnanlage oder in unmittelbarer Nachbarschaft.

Für viele ist dieser Zuverdienst keine Nebensache, sondern ein wichtiger Bestandteil ihrer finanziellen Absicherung.

Fällt die bisherige Minijob-Regelung weg, dürfte sich diese Tätigkeit für viele Betroffene kaum noch lohnen. Statt eines nahezu vollständigen Nettoverdienstes müssten Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Gerade bei kleinen Einkommen sinkt damit der tatsächliche Verdienst deutlich.

AM ENDE ZAHLEN DIE MIETER

Können diese Aufgaben nicht mehr durch Minijobber erledigt werden, bleibt vielen Eigentümergemeinschaften und Vermietern nur der Weg über professionelle Hausmeisterunternehmen.

Diese arbeiten selbstverständlich fachgerecht – verursachen aber häufig deutlich höhere Kosten. Neben höheren Stundensätzen kommt regelmäßig noch die Umsatzsteuer hinzu.

Die Folge: Die Betriebskosten steigen und werden über die Nebenkostenabrechnung letztlich von den Mietern getragen.

Gerade in Zeiten ohnehin stark steigender Wohnkosten wäre dies eine zusätzliche Belastung für Millionen Haushalte.

KEIN GEWINN FÜR DEN ARBEITSMARKT

Befürworter argumentieren, die Reform könne Menschen dazu bewegen, mehr Stunden zu arbeiten und dadurch höhere Rentenansprüche aufzubauen.

In der Praxis erscheint dieses Ziel jedoch fraglich.

Ein 70-jähriger Rentner, der einmal pro Woche Mülltonnen bewegt oder eine kleine Wohnanlage betreut, wird deshalb kaum in eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung wechseln.

Die Tätigkeit entfällt vielmehr vollständig. Neue Arbeitsplätze entstehen dadurch nicht.

ARMUT STATT ENTLASTUNG

Besonders kritisch sehen wir die Auswirkungen auf ältere Menschen.

Viele Rentner sind heute auf jeden zusätzlichen Euro angewiesen. Der Minijob ermöglicht ihnen, ihre Rente aufzubessern, ohne umfangreiche bürokratische Hürden oder hohe Abzüge.

Wird dieser finanzielle Spielraum eingeschränkt, steigt das Risiko der Altersarmut weiter.

Deutschland diskutiert seit Jahren über immer mehr ältere Menschen, die ihren Lebensunterhalt nur schwer bestreiten können.

Eine Reform, die legale Zuverdienstmöglichkeiten erschwert, dürfte diese Entwicklung eher verstärken als verbessern.

SCHWARZARBEIT KÖNNTE ZUNEHMEN

Ein weiterer möglicher Nebeneffekt wird aus unserer Sicht häufig unterschätzt.

Während professionelle Hausverwaltungen gesetzliche Vorgaben selbstverständlich einhalten werden, könnten im privaten Bereich andere Entwicklungen entstehen.

Wenn Eigentümer für kleine Tätigkeiten deutlich höhere Kosten tragen müssen und Rentner gleichzeitig weniger Netto erhalten, wächst der Anreiz, solche Arbeiten ohne offizielle Anmeldung zu erledigen.

Eine Reform, die eigentlich mehr Sozialversicherung schaffen soll, könnte damit ausgerechnet zusätzliche Schwarzarbeit fördern.

UNSERE EINSCHÄTZUNG

Jo. Wolter Immobilien lehnt die geplante Abschaffung der Sozialversicherungsfreiheit für Minijobs kritisch ab.

Aus unserer Sicht schafft sie keine zusätzlichen Arbeitsplätze. Stattdessen würden:

  • Rentner finanziell schlechter gestellt,
  • Betriebskosten und Nebenkosten steigen,
  • Mieter zusätzlich belastet,
  • kleine Eigentümergemeinschaften höhere Ausgaben tragen müssen und
  • der Anreiz für Schwarzarbeit zunehmen.

Gerade im Bereich der Wohnungswirtschaft funktionieren viele kleine Dienstleistungen seit Jahren zuverlässig über Minijobs. Dieses bewährte System sollte nicht ohne überzeugende Alternative aufgegeben werden.

Wir hoffen deshalb, dass die Bundesregierung die praktischen Folgen dieser Reform noch einmal sorgfältig prüft und die bestehenden Minijob-Regelungen in ihrer heutigen Form erhält.

© Jo. Wolter Immobilien GmbH, Braunschweig. Autorin Viola Vester