Freitag den 17.07.1992 erschien in der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) ein Artikel von Uwe Wolter.

Mit seiner Einschätzung hatte Uwe Wolter völlig Recht – auch mit dem Aufruf dringend Bauland auszuweisen traf er den richtigen Ton und setzte sich für Braunschweig als investitionswürdigem Standort ein.

Leider nur hatte die Stadt Braunschweig bzw. deren Politiker seinerzeit andere Pläne. Nennenswerte Baulandausweisung gab es erst zwei Jahrtzehnte später – und damit viel zu spät.

Hätte man 1992 bereits auf Uwe Wolter gehört und entsprechend gehandelt, wären nicht Ende 90er Jahre so viele Braunschweiger in die Nachbargemeinden gezogen und die Stadt wäre in den Folgejahren nicht so stark geschrumpft.  Weggezogen sind zudem diejenigen, die ordentliche Einkommen hatten. Braunschweig gingen viele Steuereinnahmen dadurch verloren. Die Wohnungsknappheit, die sich zehn Jahre später abzeichnete, hätte vermieden werden können.  Der sich nun (27 Jahre später) bereits abzeichnende Überschuß an exklusivem Geschoßwohnungsbau, der aus dem anderen Extrem resultiert, hätte, bei moderatem Handeln der Politik in den frühen 90er Jahren auch vermieden werden können.

Unser Aufruf an die Politik heute:
Schaffen Sie die Mietpreisbremse in der gegenwärtigen Form und den sogenannten Mietspiegel (in seiner jetzigen marktverfälschenden Form) ab, der den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen unterdrückt. Beides ist zu kurzfristig gedacht!
Fördern Sie statt desseb bereits genehmigte Bauprojekte, bei denen bezahlbarer Mietwohnraum für Familien geschaffen wird!

Hier nun der Artikel von 1992:

Das aktuelle Thema

Frage an Uwe L. Wolter, Geschäftsführer der Jo. Wolter Immobilien GmbH, Braunschweig:
Die Grenzöffnung hat die Region verändert. Wie beurteilen Sie als RDM-Makler die Entwicklungschancen für Braunschweig?

Der Immobilienmarkt gestaltet sich schwierig. Die Preise für Immobilien sind seit der Grenzoffnung um rund 20 Prozent gestiegen.

Durch Übersiedler, Aussiedler und Pendler, die in den neuen Bundeslandern arbeiten, jedoch das Ambiente einer funktionierenden Großstadt nicht missen möchten, ist der Markt für Eigenheime,  Eigentumswohnungen und Mietwohnungen in Braunschweig nahezu leergefegt.

Die Stadt muß dringend mehr Bauland für Einzel- und Geschoßwohnungen ausweisen, damit sie zwischen dem Expo-gestärkten Hannover und dem aufstrebenden Magdeburg bestehen kann.

Durch die Grenzöffnung ist diese Region von ihrer Zonenrandlage in den Mittelpunkt Deutschlands gerückt; das zeigt auch die geplante Anbindung an den Intercity-Expreß von 1994 an.

Die ungewohnte Zentralität mit ihren relativ kurzen Wegen zu den neuen Märkten im Osten und die Ansiedlung nationaler und internationaler Unternehmen hat Braunschweig zu einem attraktiven Standort für Zukunftsinvestitionen gemacht.

Als neues "Tor zum Osten“ zieht die Stadt Investoren aus aller Welt an. Sie finden hier einen hervorragenden Know-how-Transfer zwischen den Forschungsinstituten in der Stadt und der Praxis.

Braunschweig gilt bereits als ein Schrittmacher für den Aufbau-Ost.

Schon zu Beginn achtziger Jahre hat sich Braunschweig zu einem der führenden Forschungs- und Wissenschaftsstandorte und zum europäischen Zentrum der Mikroelektronik (Oker Valley) entwickelt.

Von hier aus werden Firmengründungen in den neuen Bundeslandem betrieben und qualifizierte Arbeitskrafte entsandt.

Ich sehe die Zukunft dieser Stadt in einem sehr guten Licht. In dieser Region — mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten kann man gut leben, arbeiten und einkaufen.