wohnungsmangel bleibt keine trendwende wolter braunschweig news 2026

Die neuesten Zahlen zu den Baugenehmigungen werden derzeit vielerorts als positives Signal interpretiert.

Tatsächlich meldete das Statistische Bundesamt für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der genehmigten Wohnungen um 14,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch im März lagen die Genehmigungen mit 21.800 Wohnungen um 11,5 % über dem Vorjahresmonat.

Nicht nur die Politik feiert diese Zahlen, auch in Teilen der Baubranche ist bereits von einer „Trendwende“, einem „Lichtblick“ oder einer „Erholung“ die Rede.

Dem kann ich mich so nicht anschließen.


DIE AUSGANGSLAGE BLEIBT DESASTRÖS

Man darf nicht vergessen, von welchem Niveau wir kommen. Die Baugenehmigungen waren zuvor massiv eingebrochen.

Hochgerechnet auf das Gesamtjahr lägen die aktuellen Genehmigungen bei rund 250.000 Wohnungen. Zur Erinnerung: Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 370.000 Wohnungen genehmigt.

Dass die Zahlen nach einem historischen Absturz nun leicht ansteigen, bedeutet noch lange nicht, dass der Wohnungsbau wieder funktioniert.

Selbst wenn alle diese Projekte tatsächlich gebaut würden – was unrealistisch ist – läge Deutschland weiterhin weit unter dem politischen Ziel der ehemaligen Ampelkoalition von 400.000 Wohnungen pro Jahr. Und genau dieses Ziel wurde krachend verfehlt.

An den Plänen der Regierung Scholz muss sich die Regierung Merz nicht messen lassen, aber das Delta zwischen dem, was die Politik für nötig hält und was an Genehmigungen erteilt wird, ist riesig.


WOHNUNGSMANGEL BLEIBT EIN MASSIVES PROBLEM

Je nach Studie fehlen in Deutschland weiterhin mehrere hunderttausend Wohnungen. Die Zahlen divergieren zwischen 900.000 und 1,6 Millionen Wohnungen.

Besonders in Ballungsräumen und im bezahlbaren Segment verschärft sich die Situation weiter, während es in strukturschwächeren Bereichen erhebliche Leerstandsquoten gibt.

Das eigentliche Problem lautet daher nicht: „Steigen die Genehmigungen?“

Sondern: „Reicht das Tempo aus, um die Wohnungslücke zu schließen? Und werden die Baugenehmigungen dort erteilt, wo Wohnungen fehlen?“

Denn dieses Problem lässt die Politik, mit ihrer Fixierung auf Berlin, nämlich völlig außer acht. In Braunschweig z.B.  ist der Wohnungsmarkt gar nicht angespannt. Er wird nur aus politischen Gründen, also einer vermeintlichen Klientelpolitik, so bezeichnet.

Viele Projekte werden trotz Genehmigung verschoben, verkleinert oder gar nicht realisiert. Gerade im Geschosswohnungsbau beobachten wir weiterhin erhebliche Zurückhaltung bei Investoren und Bauträgern.


DIE POLITIK BLEIBT DAS GRÖSSTE RISIKO FÜR VERLÄSSLICHES BAUEN

Die Nachfrage nach Wohnraum ist weiterhin gut und in Ballungsräumen, insbesondere in Berlin, wo die Politik gemacht wird, auch sehr hoch. Auch Kapital wäre grundsätzlich vorhanden.

Was fehlt, ist Vertrauen in die Politik!

Denn Investoren und Projektentwickler kämpfen weiterhin mit:

  • unkalkulierbaren gesetzlichen Vorgaben und Zwängen,
  • steigenden energetischen Anforderungen,
  • unsicheren Förderbedingungen,
  • erheblichen Mietrechtsverschärfungen,
  • ESG-Vorgaben
  • und permanent wechselnden politischen Rahmenbedingungen.

Insbesondere die Vorstöße von Bundesjustizministerin Hubig zum Mietrecht sind fatal.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel vom 09.02.2026 – Bundesjustizministerin plant weitere Eingriffe in den Immobilienmarkt.

Wer heute ein Wohnprojekt entwickelt, muss inzwischen nicht nur Baukosten kalkulieren, sondern zunehmend auch politische Risiken.


GENEHMIGUNGEN SIND NOCH KEINE WOHNUNGEN

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in vielen Berichten kaum erwähnt wird: Eine Baugenehmigung bedeutet noch lange nicht, dass tatsächlich gebaut oder zeitnah fertig gestellt wird.

Viele Projekte landen derzeit in der Schublade, weil die Wirtschaftlichkeit fehlt oder Finanzierungen noch nicht darstellbar sind. Mancher Bauträger wartet auf Zinssenkungen, aber auch darauf, wie es in Deutschland politisch weiter geht.


FAZIT VON JO. WOLTER IMMOBILIEN, BRAUNSCHWEIG

Deutschland baut weiterhin viel zu wenig Wohnungen. Die strukturellen Probleme im Wohnungsbau bestehen unverändert fort. Solange Politik und Verwaltung Investitionen eher erschweren als fördern, wird sich daran wenig ändern.

Zuerst erschienen auf www.wolter.de – 18.05.2026. Autor Joshua Markovic